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Der „Dealer“ ist dagegen plastisch nahezu vollständig herausgearbeitet und von allen Seiten als die bildhauerische Nachahmung eines männlichen Körpers zu erkennen. In den Werken „Don Giovanni und die Bildhauerei“ und „Don Giovanni – der weibliche Blick“ dagegen, lässt Konrad Winzer den steinernen Block, aus dem die Figuren gehauen werden, weitgehend stehen. Dem Betrachter wird dabei ganz nebenbei der langwierige Prozess vor Augen geführt, wie eine Figur aus einem rohen Block gehauen, entsteht, wie sie immer auf‘s Neue mit immer feineren Stecheisen bearbeitet allmählich an Körperlichkeit gewinnt und ihre Oberfläche geglättet wird. Eine Figur wie der „Dealer“ lässt diese Mühsal nur erahnen, während in der Betrachtung der Skulptur aus rotem Sandstein die verschiedenen Stadien in der lediglich angedeuteten zweiten Figur sogar sichtbar werden. Das fertige Bildnis ruht demnach bereits in dem steinernen Block, das lediglich aus ihm herausgearbeitet werden muss. Die Andeutung und Unvollständigkeit bedeutet nicht nur einen Schritt hin zur Abstraktion, sondern steht gleichermaßen in der Tradition bedeutender Bildhauer vor Konrad Winzer. Michelangelo, so wird gemutmaßt, hat viele bildhauerische Werke aus mangelndem Interesse oder Zeitnot unvollendet gelassen. Rodin jedoch erhob dies zu einem Prinzip und fortan war es das Ergebnis einer bewussten, künstlerischen Entscheidung. Sie verdeutlicht die Spannung zwischen der bildnerischen Idee und dem Widerstand des Materials und vermag zudem den Blick auf die bereits herausgearbeiteten Details zu lenken, auf das Wesentliche der Erscheinung und die Schönheit der Form.

„Der Dealer“
Warschauer Marmor, 1982/84