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Die Skulptur Emil Cimiottis steht inmitten einer begrünten Fläche. Zwar ruht ihr Sockel auf einer weißen Plinthe, einem schlichten Untersatz, der sie ein wenig erhöht und ihren Raum klar definiert, dennoch fügt sie sich derart selbstverständlich in ihre Umgebung ein, als sei sie für diesen Ort geschaffen worden.
Emil Cimiotti ist einer der bedeutendsten Bildhauer seiner Generation. Seine Werke wurden häufig in die Nähe des Informel, eine Stilrichtung der Nachkriegszeit, die über Jahrzehnte die europäische Kunst prägte, gerückt. Zunächst mag diese Einordnung merkwürdig klingen, zumal die informelle Kunst in erster Linie ein Sammelbegriff für verschiedene malerische Richtungen ist, die ein spontaner Schaffensprozess, die Formauflösung und die Abkehr von streng rationaler, geometrischer Abstraktion eint. Doch Skulpturen, so könnte man mutmaßen, bleiben immer dem Körperlichen verhaftet und können nicht formlos sein. Allerdings vollzog Cimiotti in vielen seiner frühen Werke gerade diesen Grenzgang, indem er Volumen auflöste und spannungsgeladene Gebilde schuf, die mit ihrem Umgebungsraum verflochten scheinen, in denen die Leerstellen der Skulptur mit dem sie umgebenden Material um Bedeutung konkurrierte.
Die „Große Kreuzblume“, eine Bronze von 1971, scheint in ihrer Gestalt sehr viel konkreter. Und ihr Titel lässt keinen Zweifel, dass damit einem Stück Natur Gestalt verliehen wurde. Drei von einem Punkt in den Raum wuchernde Kelche und ihre ausladenden Öffnungen erinnern an eine Pflanze. Und als solche fügt sich die Skulptur mit nahezu mimetischen Eigenschaften in ihre Umgebung, als amorphe Form und organischer Körper. Das gestische Moment, eine grundlegende Eigenschaft informeller Kunst, findet sich hier in den Spuren auf der Oberfläche: denn Cimiotti fertigt seine Skulpturen zunächst aus Wachs, in dem seine Fingerabdrücke als Zeugnisse des Schaffensprozesses unwiderruflich sichtbar bleiben. Letztlich wird von dieser Form eine Bronze gegossen, bei der das Modell verloren geht. Die „Große Kreuzblume“ ist somit ein einzigartiges Stück Kunst, so wie in der Natur kein Blatt dem anderen gleicht.
„Große Kreuzblume“
Bronze, 1971
107 x 145 x 150 cm